4. November 2017

Rezension Mary E. Pearson - Die Gabe der Auserwählten

"Die Gabe der Auserwählten" stellt bei den "Chroniken der Verbliebenen" so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung dar. Dieses Buch gibt es in dieser Form nur im deutschsprachigen Raum. Bastei-Lübbe hat sich nämlich entschieden, das englische Original und das Finale der Reihe - "The Beauty of Darkness" - in zwei Hälften aufzuteilen.

"Die Gabe der Auserwählten" beinhaltet die erste Hälfte, die zweite Hälfte wird unter dem Namen des Originals erst Anfang nächsten Jahres erscheinen. Aus diesem Grund gibt es für diesen Band auch ein neues Cover :).

Wer die früheren beiden Bände noch nicht gelesen hat: Vorsicht, denn es ist unvermeidlich, dass nun größere und kleinere Spoiler zur Handlung folgen!

Zum Inhalt:


Band 3 setzt dort ein, wo wir Lia, Rafe und Kaden verlassen haben: Bei ihrer Flucht aus Venda. Während Lia mit ihren Verletzungen zu kämpfen hat, die sie sich am Ende von "Das Herz des Verräters" zugezogen hat, versucht Rafe alles, um unbeschadet Dalbreck zu erreichen, um sich und Lia in Sicherheit zu bringen. Die Gefühle der beiden werden erstmals auf eine Probe gestellt, als es darum geht, welchem Schicksal Lia nun folgen will ...

Meine Meinung:


Ursprünglich wollte ich eigentlich nicht warten und nach dem zweiten Band den Schluss auf Englisch lesen. Oft kommt es aber doch anders, als man denkt, und ich hatte auf einmal die Gelegenheit, "Die Gabe der Auserwählten" auf Deutsch zu bekommen ...

Der Schreibstil ist wie schon auch in den früheren Bänden leicht und flüssig zu lesen und man hat keine Probleme, die Flüchtlinge auf ihrer Reise zu begleiten. Anfangs ist ihr Schicksal ungewiss, denn niemand weiß, ob der Komizar Lias Anschlag überlebt hat oder nicht und ob es zum Krieg mit den Nachbarländern Morrighan und Dalbreck kommt.

Rafe versucht dabei alles, um Lia zu beschützen. Lia dagegen zweifelt, ob sie schon dafür bereit ist, mit Rafe als seine Königin in sein Land zu reisen. Konflikte sind also vorprogrammiert, vor allem dann, als Kaden die Gruppe einholt.

In Band 2 hatte ich das Gefühl, dass sowohl Lia als auch Rafe im Angesicht der Gefahr Reife bewiesen haben. Hier dagegen kam mir vor allem Lia wieder das junge, naive und vor allem dickköpfige Mädchen vor, dass sie noch in Band 1 war. Diesen Rückschritt - wenn man so will - fand ich nach den ganzen Ereignissen von Band 2 nicht besonders plausibel. Rafes weitere Entwicklung dagegen erschien mir hier stimmiger, weil nachvollziehbarer.

Wie bereits erwähnt, ist "Die Gabe der Auserwählten" eigentlich nur ein halber Band. Dies zeigt sich in meinen Augen sehr deutlich in der Geschichte selbst, denn sie wirkt die meiste Zeit wie ein Auftakt für etwas, was nicht kommt bzw. wahrscheinlich erst im vierten Band kommt. Ich sage es nicht gerne, aber eigentlich passiert nicht viel in diesem dritten Band ... Der Fokus liegt hauptsächlich auf Lias und Rafes Flucht, selbst die Nebenhandlung, die durch Pauline erzählt wird, tritt deutlich in den Hintergrund.

Aus Neugier habe ich dann einmal in Kapitel 41 hineingelesen, das in der deutschen Ausgabe dem letzten Kapitel entspricht, im englischen Original gerade einmal in der Mitte ist. Man stelle sich meine Überraschung vor, als ich entdecken musste, dass dieses Kapitel wortwörtlich übersetzt wurde.

Hat hier nicht der Verlag verkündet, dass die Autorin etwas Neues schreiben würde, um einen runderen Übergang in den letzten Band zu schaffen? Mir ist jedenfalls in diesem Teil keine Änderung aufgefallen, was mich schon etwas verwundert zurückgelassen hat. Dies erklärt allerdings, warum dieses Ende für mich im Vergleich zu den früheren Büchern nicht so rund rüberkommt ... Vieles bleibt offen und wird wohl erst im allerletzten Band zufriedenstellend beantwortet werden.

Mein Fazit:


Der dritte Band führt fort, wo der zweite geendet hat, aber das Aufteilen der Geschichte im Deutschen sorgt dafür, dass ich als Leserin das Gefühl hatte, eigentlich nur einen Auftakt für ein Finale zu bekommen, das erst im nächsten Band erfolgt.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 349 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3-32549443

4 Kommentare

  1. Ich hasse dieses ganze Geteile. Früher wurden Bücher auch nicht in der Mitte getrennt und es hat trotzdem funktioniert. Die Bibel hat auch mega-viele Seiten und kann so gedruckt werden. Das ist doch alles nur Geldmacherei. Ich will den Schluss der Reihe auch noch lesen, vermutlich wird es dann der englische, denn im Moment habe ich es ja nicht so mit dem Lesen ;). Da kann ich mir dann auch gleich den letzten Teil im Ganzen besorgen :D.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich verstehe das ehrlich gestanden auch nicht ganz ... Ich fürchte, das haben sich die Verlage ja leider von den Verfilmungen abgeschaut (Die Tribute von Panem oder Harry Potter sind da ganz gute Beispiele). Ich überlege jetzt übrigens auch, den letzten Teil (oder besser gesagt die zweite Hälfte) auf Englisch weiterzulesen, ich möchte jetzt wirklich ganz gern mal zu einem Ende kommen ...

      Liebe Grüße
      Ascari

      Löschen
  2. Hey Ascari,

    Ich merke schon, dass es für mich die richtige Entscheidung war, einfach nicht mehr weiterzulesen. Ich hätte es wahrscheinlich wieder so empfunden, dass vieles auch einfach hätte weggelassen werden können. So ganz warm bin ich mit der Reihe ja nie geworden, auch wenn ich den Schluss an sich immer so interessant fand, dass ich an sich schon wissen will, wie die Geschichte ausgeht, aber das lass ich mir in dem Fall dann lieber von jemanden in Kurzform erzählen. ;)

    LG, Moni

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Moni,

      ich bin mir ehrlich gestanden nicht sicher, ob meine Meinung zu diesem Band nicht besser ausgefallen wäre, wenn die Geschichte nicht geteilt worden wäre ... Aber gut, jetzt bin ich schon so weit gekommen, jetzt will ich auch erfahren, wie es endet :). Und wenn du magst, kannst du mich dann ja fragen :D.

      Liebe Grüße
      Ascari

      Löschen