Das war ... ein Abend mit Ken Follett

Bereits vor der Buchmesse erfuhr ich, dass Ken Follett einen Abend in Wien sein würde, um sein neues Buch "Das Fundament der Ewigkeit" vorzustellen. Dank Flixbus ist es mittlerweile auch keine Hexerei mehr, auch nur für ein paar Stunden in die Stadt und wieder heimzufahren. Daher besorgte ich mir Karten und Bustickets :).


Der Veranstaltungsort, das Billrothhaus, lag außerdem nicht übermäßig weit entfernt vom Westbahnhof, also war's ein geruhsamer Spaziergang, ehe wir ankamen. Das Gebäude selbst scheint - wie vieles in Wien - aus der Zeit des Klassizismus zu stammen, also empfing uns ein stimmungsvoller Ort, wo es pünktlich um 19:00 Uhr mit einem Film über "Das Fundament der Ewigkeit" losging.

Danach betrat auch schon Ken Follett persönlich die Bühne und erklärte uns, wie der Abend laufen sollte. Eine gute Dreiviertelstunde Buchvorstellung, danach bekamen wir Gäste die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Dolmetscher stand außerdem vor Ort zur Verfügung, der Folletts Erzählung und später die Antworten auf die Fragen übersetzte.


Gleich zu Beginn zeigte sich außerdem, dass Follett mittlerweile wirklich ein Profi ist. Er ging bei einigen Dingen etwas mehr ins Detail, die bereits im Film erwähnt worden waren. Was ihn offensichtlich wirklich sehr beeindruckt hat, ist, dass Elisabeth I. den ersten Geheimdienst der Welt ins Leben gerufen hat - als Fan von Ian Fleming wollte er unbedingt mit der Figur des Ned Willard eine Art historischen James Bond erschaffen.

Diesen ersten Teil des Abend empfand ich für meinen Geschmack als ein bisschen zu professionell gemacht. Auch wenn Follett die formvollendete Version eines britischen Gentlemans ist, hatte ich doch an einigen Stellen das Gefühl, etwas zu hören zu bekommen, dass er bereits einige Male erzählt hatte ... Quasi nebenbei erwähnte er allerdings, dass Stephen King ein lausiger Gitarrist sei, das ließ doch tief blicken :).


Die Fragerunde verbesserte diesen ersten Eindruck jedoch, hier wurde der Autor persönlicher, gab zeitweise sehr lange und interessante Antworten. Die Frage nach seinem nächsten Projekt verweigerte er allerdings mit der Begründung, dass er relativ lange mit neuen Ideen schwanger gehen würde, es aber schon passieren könne, dass er sie dann doch verwerfen würde.

Spannend fand ich auch seine Antwort auf die Frage, welches seiner Bücher ihm selbst am meisten am Herzen liegen würde. Hier nannte er "Die Säulen der Erde". Und erzählte auch gleich die Geschichte dazu, dass es ihm gar nicht leichgefallen ist, das Buch überhaupt seinen Verlegern schmackhaft zu machen, da er bis zu dem Zeitpunkt ja nur Thriller geschrieben hatte.


Umkehrschluss daraus: Das Prinzip, auf Nummer sicher gehen zu wollen, scheinen Verlage schon vor gut dreißig Jahren perfektioniert zu haben. Das Ergebnis konnte sich aber trotzdem sehen lassen, "Die Säulen" hat sich über 26 Millionen Mal verkauft - und ist damit bis heute Folletts erfolgreichstes Buch.

Bei der Antwort auf die Frage nach der Recherche erzählte er, dass er insgesamt drei Jahre in die Entstehung von "Das Fundament" gesteckt hatte. Das erste Jahr war mit Hilfe seiner Helfer reine Recherche, das zweite Jahr die Entstehung einer Rohversion, die dann wieder historischen Experten vorgelegt wurde, das dritte Jahr dann schlussendlich die Vollendung seines Buchs. Nachdem ich das Buch mittlerweile schon kenne, kann ich das nur bestätigen: Der historische Hintergrund, vor dem seine Figuren agieren, ist unheimlich genau.


Gegen 20:30 Uhr war dann Schluss und die Signierstunde ging los. Dafür hatten wir zu Beginn jeder gleich eine Karte bekommen, auf die wir schreiben sollten, was der Autor ins Buch schreiben sollte, und die wir im zu signierenden Buch an die richtige Stelle legen sollten. Da sich immerhin doch gut 150 Leute anstellten, richteten wir uns auf eine längere Wartezeit ein ... Mit Weiß- bzw. Rotwein in der Hand verging diese Zeit allerdings wie im Nu.

Als die Schlange kürzer wurde, erlebte ich ein weiteres Mal eine Überraschung: Mit Hilfe der Mitarbeiter der Veranstaltung lief das Signieren wie am Schnürchen, Follett schrieb geduldig seinen Namen in Bücher, auf das Brettspiel und sogar auf das Deckblatt einer Masterarbeit zu seinen Büchern.

Angekündigt war ein Veranstaltungsende gegen 21:30 - und jeder, wirklicher jeder bekam in dieser Zeit eine Unterschrift in oder auf das Medium seiner Wahl. In meinen Augen nur ein weiterer Beweis dafür, wie professionell der Autor mittlerweile ist ...


Begleitet von einem weiteren Glas Wein und einer interessanten Diskussion mit anderen Gästen über Folletts Bücher, die mit uns am Tisch standen, ging der Abend schlussendlich sehr unterhaltsam zu Ende. Trotzdem war die Zeit viel zu schnell um, und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns wieder auf den Weg zurück zum Bus zu machen, da ich noch in der Nacht wieder zurück nach Hause fuhr.

Abschließend kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass der Abend wirklich fantastisch war! Er wird mir wirklich noch lange im Gedächtnis bleiben, denn es macht doch immer noch einen riesengroßen Unterschied, jemanden live oder nur auf Videos zu erleben :).

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