19. November 2017

Das war ... ein Abend mit Ken Follett

Bereits vor der Buchmesse erfuhr ich, dass Ken Follett einen Abend in Wien sein w├╝rde, um sein neues Buch "Das Fundament der Ewigkeit" vorzustellen. Dank Flixbus ist es mittlerweile auch keine Hexerei mehr, auch nur f├╝r ein paar Stunden in die Stadt und wieder heimzufahren. Daher besorgte ich mir Karten und Bustickets :).


Der Veranstaltungsort, das Billrothhaus, lag au├čerdem nicht ├╝berm├Ą├čig weit entfernt vom Westbahnhof, also war's ein geruhsamer Spaziergang, ehe wir ankamen. Das Geb├Ąude selbst scheint - wie vieles in Wien - aus der Zeit des Klassizismus zu stammen, also empfing uns ein stimmungsvoller Ort, wo es p├╝nktlich um 19:00 Uhr mit einem Film ├╝ber "Das Fundament der Ewigkeit" losging.

Danach betrat auch schon Ken Follett pers├Ânlich die B├╝hne und erkl├Ąrte uns, wie der Abend laufen sollte. Eine gute Dreiviertelstunde Buchvorstellung, danach bekamen wir G├Ąste die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Ein Dolmetscher stand au├čerdem vor Ort zur Verf├╝gung, der Folletts Erz├Ąhlung und sp├Ąter die Antworten auf die Fragen ├╝bersetzte.


Gleich zu Beginn zeigte sich au├čerdem, dass Follett mittlerweile wirklich ein Profi ist. Er ging bei einigen Dingen etwas mehr ins Detail, die bereits im Film erw├Ąhnt worden waren. Was ihn offensichtlich wirklich sehr beeindruckt hat, ist, dass Elisabeth I. den ersten Geheimdienst der Welt ins Leben gerufen hat - als Fan von Ian Fleming wollte er unbedingt mit der Figur des Ned Willard eine Art historischen James Bond erschaffen.

Diesen ersten Teil des Abend empfand ich f├╝r meinen Geschmack als ein bisschen zu professionell gemacht. Auch wenn Follett die formvollendete Version eines britischen Gentlemans ist, hatte ich doch an einigen Stellen das Gef├╝hl, etwas zu h├Âren zu bekommen, dass er bereits einige Male erz├Ąhlt hatte ... Quasi nebenbei erw├Ąhnte er allerdings, dass Stephen King ein lausiger Gitarrist sei, das lie├č doch tief blicken :).


Die Fragerunde verbesserte diesen ersten Eindruck jedoch, hier wurde der Autor pers├Ânlicher, gab zeitweise sehr lange und interessante Antworten. Die Frage nach seinem n├Ąchsten Projekt verweigerte er allerdings mit der Begr├╝ndung, dass er relativ lange mit neuen Ideen schwanger gehen w├╝rde, es aber schon passieren k├Ânne, dass er sie dann doch verwerfen w├╝rde.

Spannend fand ich auch seine Antwort auf die Frage, welches seiner B├╝cher ihm selbst am meisten am Herzen liegen w├╝rde. Hier nannte er "Die S├Ąulen der Erde". Und erz├Ąhlte auch gleich die Geschichte dazu, dass es ihm gar nicht leichgefallen ist, das Buch ├╝berhaupt seinen Verlegern schmackhaft zu machen, da er bis zu dem Zeitpunkt ja nur Thriller geschrieben hatte.


Umkehrschluss daraus: Das Prinzip, auf Nummer sicher gehen zu wollen, scheinen Verlage schon vor gut drei├čig Jahren perfektioniert zu haben. Das Ergebnis konnte sich aber trotzdem sehen lassen, "Die S├Ąulen" hat sich ├╝ber 26 Millionen Mal verkauft - und ist damit bis heute Folletts erfolgreichstes Buch.

Bei der Antwort auf die Frage nach der Recherche erz├Ąhlte er, dass er insgesamt drei Jahre in die Entstehung von "Das Fundament" gesteckt hatte. Das erste Jahr war mit Hilfe seiner Helfer reine Recherche, das zweite Jahr die Entstehung einer Rohversion, die dann wieder historischen Experten vorgelegt wurde, das dritte Jahr dann schlussendlich die Vollendung seines Buchs. Nachdem ich das Buch mittlerweile schon kenne, kann ich das nur best├Ątigen: Der historische Hintergrund, vor dem seine Figuren agieren, ist unheimlich genau.


Gegen 20:30 Uhr war dann Schluss und die Signierstunde ging los. Daf├╝r hatten wir zu Beginn jeder gleich eine Karte bekommen, auf die wir schreiben sollten, was der Autor ins Buch schreiben sollte, und die wir im zu signierenden Buch an die richtige Stelle legen sollten. Da sich immerhin doch gut 150 Leute anstellten, richteten wir uns auf eine l├Ąngere Wartezeit ein ... Mit Wei├č- bzw. Rotwein in der Hand verging diese Zeit allerdings wie im Nu.

Als die Schlange k├╝rzer wurde, erlebte ich ein weiteres Mal eine ├ťberraschung: Mit Hilfe der Mitarbeiter der Veranstaltung lief das Signieren wie am Schn├╝rchen, Follett schrieb geduldig seinen Namen in B├╝cher, auf das Brettspiel und sogar auf das Deckblatt einer Masterarbeit zu seinen B├╝chern.

Angek├╝ndigt war ein Veranstaltungsende gegen 21:30 - und jeder, wirklicher jeder bekam in dieser Zeit eine Unterschrift in oder auf das Medium seiner Wahl. In meinen Augen nur ein weiterer Beweis daf├╝r, wie professionell der Autor mittlerweile ist ...


Begleitet von einem weiteren Glas Wein und einer interessanten Diskussion mit anderen G├Ąsten ├╝ber Folletts B├╝cher, die mit uns am Tisch standen, ging der Abend schlussendlich sehr unterhaltsam zu Ende. Trotzdem war die Zeit viel zu schnell um, und so blieb uns nichts anderes ├╝brig, als uns wieder auf den Weg zur├╝ck zum Bus zu machen, da ich noch in der Nacht wieder zur├╝ck nach Hause fuhr.

Abschlie├čend kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass der Abend wirklich fantastisch war! Er wird mir wirklich noch lange im Ged├Ąchtnis bleiben, denn es macht doch immer noch einen riesengro├čen Unterschied, jemanden live oder nur auf Videos zu erleben :).

8 Kommentare

  1. Liebe Ascari,

    was ein wundervoller Beitrag. So f├╝hle ich mich fast, als sei ich zugegen gewesen. Gern h├Ątte ich Ken Follett gelauscht. Ich mag seine B├╝cher und ich glaube dir gern, dass du einen besonderen Abend mit ihm erlebt hast.

    Liebe Gr├╝├če

    Anja

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  2. Hab vielen Dank f├╝r diesen tollen Lesungsbericht! Da w├Ąre ich auch sehr gerne dabei gewesen.
    Einerseits ist es schon ein bisschen schade, dass Ken Follett im Laufe der Zeit zu einem perfekten Medienprofi geworden ist und die pers├Ânliche Note bei seinem Vortrag zu kurz kam. Andererseits scheint die ganze Veranstaltung toll organisiert gewesen zu sein - die Idee, die Signierw├╝nsche auf Karten zu schreiben, finde ich toll. Das habe ich noch nirgends gesehen.
    Und die Fragerunde h├Ątte ich zu gerne miterlebt, wenn der Autor in Plauderlaune ist und ausf├╝hrliche Antworten gibt. Toll!

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,

      so eine toll organisierte Buchpr├Ąsentation hab ich auch schon lange nicht mehr erlebt :). Das mit den Karten war aber wirklich eine gute L├Âsung, damit jeder eine Unterschrift bekommen konnte. Das war wirklich Buch nehmen, hinlegen, Ken Follett unterschreibt und gibt Buch zur├╝ck. Auf die Art und Weise haben tats├Ąchlich alle in gut einer Stunde ein signiertes Buch bekommen! Da k├Ânnte sich so mancher Verlag auf der Buchmesse noch ein Scheibchen abschneiden :D ...

      Die Fragerunde war tats├Ąchlich mein pers├Ânliches Highlight, da er wirklich mit jeder Frage sehr souver├Ąn umging, sogar mit der, wo jemand fragte, warum er eine bestimmte Figur aus der "Jahrhundert"-Trilogie einfach rausgeschrieben hat :D.

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  3. Liebe Ascari,

    voller Neid habe ich diesen Bericht gelesen, ist es an mir total vorbeigegangen, dass einer meiner Lieblingsautoren eine Lesereise macht. Ich vermute, dass er bereits in Deutschland war... :-(

    Er muss nat├╝rlich Profi sein, bei dem Status, den er innehat und nach so vielen Jahren Erfahrung mit Lesereisen. Ich finde das eher positiv. Nat├╝rlic kann er sich nicht unendlich verschiedene Sachen aus den Fingern saugen und viele Punkte wiederholen sich in jeder Stadt. Umso sch├Âner, dass es eine offene Fragerunde gibt, wo die Teilnehmer gefragt sind, sich Fragen auszudenken, die er so vielleicht noch nicht beantworten musste.

    Mir gef├Ąllt auch die Idee mit den Karten vorab. Am Ende waren alle gl├╝cklich, weil die Signierstunde so reibungslos verlaufen ist. In die Augen der-/desjenigen h├Ątte ich sehr gerne geschaut, als das Deckblatt der Masterarbeit signiert wurde! Das finde ich genial! :-)

    Du hast ja die gek├╝rzte Version geh├Ârt. Wirst du evtl. noch das Buch lesen? Ich war sehr ├╝berrascht, als ich gesehen hatte, dass die gek├╝rzte Fassung um 22h gek├╝rzt wurde. Das ist deutlich mehr als die H├Ąlfte. Da h├Ątte ich schon Sorge, eine ganz andere Geschichte bekommen zu haben. Denn sooo viele L├Ąngen gibt es meiner Ansicht nach nicht, die weg k├Ânnen. Irgendwie total schade, wenn ich oben bei dir lese, dass er ganze 3 Jahre daran gearbeitet hat und dann "nur noch" 15 H├Ârstunden ├╝brig bleiben. Ich jedenfalls kann dir die Version mit Tobias Kluckert absolut empfehlen. :-)

    GlG, monerl

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    1. Liebe Monerl,

      da hast du recht. Am Tag zuvor war er noch in M├╝nchen, das hab ich dank seines Twitter-Accounts mitbekommen ... Bei uns wurde die Veranstaltung aber gro├č von der Buchhandlung beworben, wo ich meistens einkaufe, daher konnte ich es gar nicht ├╝bersehen :).

      Dass jemand Profi ist, ist ein zweischneidiges Schwert. Aber ich denke, deswegen gab es die Fragerunde, denn die d├╝rfte ja wirklich bei jeder Veranstaltung anders gewesen sein.

      Die Masterarbeit hat auch Ken Follett erstaunt, denke ich, denn da hat er doch mit der Besitzerin ein paar Worte gewechselt :). Da sie kurz nach mir mit Signieren dran war, hab ich das noch mitbekommen und dann die Dame drauf angesprochen, was ihr Thema war.

      Ich werde mir irgendwann wahrscheinlich das Buch aus der B├╝cherei ausleihen, wenn der erste gro├če Run darauf dann vorbei ist. Einfach um dann mal in Ruhe die sch├Ânen Zeichnungen darin bewundern zu k├Ânnen :). Normalerweise h├Ątte ich auch nicht zur gek├╝rzten Version gegriffen, aber bei einem meiner Lieblingssprecher kann ich einfach nicht nein sagen ...

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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  4. Hallo Ascari,

    das ist ja mal ein tolles Erlebnis! Ken Follett in Wien und ich habe mal wieder nichts mitbekommen. XD Ein sehr sch├Âner Bericht, da w├Ąre ich gern live dabei gewesen.

    Liebe Gr├╝├če,
    Nicole

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    1. Liebe Nicole,

      ich h├Ątte es wahrscheinlich auch nicht mitbekommen, wenn bei uns die Morawa-Filiale (Morawa hat die Veranstaltung ja ausgerichtet) nicht so viel Werbung daf├╝r gemacht h├Ątte ...

      Danke f├╝r dein Kompliment!

      Liebe Gr├╝├če
      Ascari

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