25. September 2017

Rezension Veit Heinichen - Scherbengericht

"Scherbengericht" ist mittlerweile der zehnte Krimi, den Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest mit dem sympathischen  Commissario Proteo Laurenti als Hauptfigur spielen lässt. Wer die früheren Romane nicht kennt,  braucht sich aber keine Sorgen zu machen: Die Geschichte lässt sich tadellos ohne Vorkenntnisse lesen - höchstens der eine oder andere Aha-Effekt wird einem entgehen :).

Zum Inhalt:


Vor Jahren wurde Aristèides Albanese wegen Totschlags verurteilt, zwölf Zeugen sagten damals einhellig aus, dass er die Tat begangen hat. Nun hat er 17 Jahre abgesessen und ist wieder in Freiheit. Aber ging wirklich alles mit rechten Dingen zu? Auf einmal ist einer der Zeugen tot, offensichtlich vergiftet. Proteo Laurenti ermittelt - und stößt nicht nur in der Vergangenheit auf Ungereimtheiten ...

Meine Meinung:


Ich weiß gar nicht mehr, wann mir das erste Buch dieser Krimireihe zum ersten Mal in die Hand fiel. Auf jeden Fall ist es schon eine ganze Weile her ... Jedes neue Buch fühlt sich daher mittlerweile fast ein bisschen wie ein literarisches Heimkommen an, wie eine warme gemütliche Decke, die man sich nach langer Zeit endlich wieder einmal überziehen kann ...

In seinem neuen Buch bleibt Heinichen seinem gewohnten Schema treu, wie üblich verwebt er den Krimi mit sozial- und gesellschaftskritischen Kommentaren, für die er auch außerhalb seiner Bücher bekannt ist. Man merkt ihm an, dass er mittlerweile schon recht lange in Triest lebt und sich auch mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt hat.

Obwohl der Klappentext suggeriert, dass sich die Handlung hauptsächlich auf Aristèides konzentriert, kommt zu Beginn der Geschichte gleich einmal eine englische Reederin griechischer Herkunft zu Tode. Ist sie vom Balkon ihres Hauses gefallen oder wurde sie gestoßen? Laurenti wird wieder einmal in wirtschaftlich-politische Interessen hineingezogen, die er eigentlich gar nicht verfolgen mag.

Gleichzeitig begleiten wir Aristèides bei seinen ersten Unternehmungen in Triest und es wird schnell klar, dass sich der Mann auf einem Rachefeldzug befindet. Aber was genau hat er vor? Will er die zwölf Personen, die vor 17 Jahren gegen ihn falsch ausgesagt haben, wirklich töten? Oder ihnen nur einen Denkzettel erteilen? Das bleibt im Verhältnis relativ lange im Dunkeln.

Da Aristèides Koch war, gedenkt er auch in der Gegenwart ein kleines Lokal zu eröffnen, um sich und seinen Partner Aahrash, einen Pakistaner, durchzubringen. Heinichen nutzt diese Gelegenheit, immer wieder über die triestinische Küche zu schreiben ...

Woher der Autor seine Inspiration dafür bezieht, ist nicht schwer nachzuvollziehen, wenn man weiß, dass er mit Amy Scabar, einer triestinischen Haubenköchin, zusammen ist. Ich kann daher nur sagen, besser nicht lesen, wenn man hungrig ist, es läuft einem sonst nur das Wasser im Mund zusammen :D.

Zum Ende: Dass Heinichen nicht immer ein "rundes" Ende schreibt, weiß ich noch von früheren Büchern. Trotzdem hatte ich dieses Mal das Gefühl, dass er fast ein bisschen zu rasch aus der Geschichte aussteigt, dass viele Fragen offen bleiben, viele angerissene Dinge nicht mehr aufgegriffen werden. Da hätte ich gerne noch ein paar Seiten mehr gelesen.

Mein Fazit:


"Scherbengericht" ist ein typischer Heinichen. Wer sich hier einen klassischen Krimi-Plot erwartet, wird bestimmt ein wenig enttäuscht werden. Wer aber auch Triest auf unterhaltsame Art kennenlernen will, etwas über die Problem wissen möchte, mit denen die Stadt heutzutage zu kämpfen hat, ist mit dem Buch sicher gut bedient.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 352 Seiten
  • Piper
  • 978-3492977616

9 Kommentare

  1. Hallo:)
    ich bin gerade über die liebe Anja (Nisnis) auf Deinen Blog gestoßen und habe mich hier schon umgesehen. Du stellst wunderschöne Bücher vor, wo ich mir gleich noch ein wenig Anregung für den nächsten Buchhandelgang holen werde.
    Das Buch welches Du uns vorstellst hört sich toll an und kannte ich noch gar nicht :)
    Gerne lasse ich Dir ein Abo da- und bin nun deine 200. Leserin, Glückwunsch an dieser Stelle!
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du mich vielleicht auch besuchen kommenst?
    http://www.printbalance.blogspot.de
    Einen wunderschönen Tag und mach weiter so!
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Andrea,

      danke für dein liebes Kompliment! Aber sei gewarnt, mein Lesegeschmack ist ziemlich querbeet, es gibt eigentlich nur ganz wenige Genres, um die ich meistens einen Bogen mache ;).

      Auch für den 200er sage ich Danke! Ich war ja wirklich gespannt, wer es werden würde :D. Klar komme ich da gerne auf einen Gegenbesuch vorbei - bei der Referenz :).

      Liebe Grüße
      Ascari

      Löschen
  2. Ein Heinrichen scheint etwas besonderes zu sein. Wie schön, dass du dich mit ihm heimfühlst.

    Ich mag es ja sehr, wenn Gesellschaftskritik mit in die Handlungen fließt und sollte mir die Reihe mal noch näher anschauen.

    viele liebe Grüße

    Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie hat das jemand so schön in einer Rezi geschrieben: Heinichen ist eine alte Liebe von mir :).

      Und da Heinichen seine Romane ja sehr plastisch schildert, kann man mit Laurenti auch tadellos durch die Stadt gehen und die Orte besuchen, die in dem Buch erwähnt werden. Das ist immer etwas Besonderes, wenn ein Name fällt und man weiß, ah ja, der Platz, das Lokal, da warst du selbst schon.

      Liebe Grüße
      Ascari

      Löschen
  3. Ich liebe Triest, ich liebe Krimis und ich liebe Krimi/Thriller-Reihen. Diese Reihe würde sich also nahezu anbieten, wieder mal nach Triest zu reisen *g*
    Danke für die tolle Rezi. Meine WL und mein SuB werden wohl nie kleiner werden.
    Liebe Grüße aus Wien in den Süden *g*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey :)

      Na, unter den Voraussetzungen wird's aber Zeit, zumindest literarisch in die Stadt aufzubrechen ;). Es gibt übrigens vom Tourismusverein immer wieder tolle Krimipakete (also signiertes Buch und ein paar Tage Urlaub in Triest) - vielleicht ist das was für dich?

      Liebe Grüße nach Wien!
      Ascari

      Löschen
  4. Hallo Ascari,
    Oh ja, das kenne ich, wenn einem ein Buch dieses "Heimkommen Gefühl" gibt. Ist bei mir jedes mal so bei Harry Potter, aber auch bei der Tintentrilogie und jedem Buch von Walter Moers.
    Sowohl der Autor als auch die Krimireihe sagen mir nichts, aber du hast mich so neugierig gemacht, dass ich da gleich mal weiter stöbern werden. Denn was du schreibst klingt wirklich gut und nach einem Buch genau nach meinem Geschmack. Danke für die schöne Vorstellung.
    Liebe Grüße, Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia,

      die Reihe erscheint mittlerweile schon recht lange, ich kenne die genauen Umstände gar nicht mehr, wann mir das erste Mal ein Heinichen über den Weg gelaufen ist. Ich hab im Sommer bei der Bella Italia Blogtour die Romane in der richtigen Reihenfolge vorgestellt - falls du Lust hast einzusteigen ;).

      Löschen
    2. Cool, Danke für den Hinweis. Das schaue ich mir gleich mal an. ;)

      Löschen