12. April 2017

Rezension Kerry Drewery - Marthas Widerstand

"Marthas Widerstand" entdeckte ich irgendwann dieses Jahr bei einer der Vorschauen, die ein anderer Buchblogger gepostet hatte. Und das Thema des Buchs sprang mich sofort an, da ich solche Geschichten einfach nur liebe.

Zum Inhalt:


Die 16jährige Martha wird mit der Waffe in der Hand vor der Leiche von Jackson Paige verhaftet. Sie legt ein umfassendes Geständis ab und wird - dem Rechtssystem entsprechend - eine Woche lang in eine Zelle gesteckt. Jeden Tag kommt sie in eine andere kleinere Zelle, bis sie am Ende in der letzten, der Zelle 7, hingerichtet werden soll.

Über ihren Tod entscheidet allerdings kein Richter und auch kein Geschworener, sondern ein Televoting! Wer es sich leisten kann, darf darüber abstimmen, ob Martha leben oder sterben soll. Doch Martha hat ein Geheimnis - und sind die Dinge tatsächlich immer so, wie sie zu sein scheinen?

Meine Meinung:


Grundsätzlich mag ich Dystopien sehr. Aus dem einfachen Grund, weil es mich immer wieder fasziniert, was ein Autor sich ausdenkt, wie sich eine Welt entwickeln könnte. Seit "Die Tribute von Panem" ist das Genre aber so klischeebeladen, dass man langsam, aber sicher das Gefühl bekommt, dass hier nichts mehr Neues drinsteckt. Dass es aber auch anders geht, beweist Kerry Drewery in "Marthas Widerstand" sehr eindrucksvoll.

Denn Martha ist nicht die einzige Heldin dieser Geschichte. Neben ihr werden andere Figuren wie beispielsweise die psychologische Betreuerin Eve Stanton eingeführt, die schon bald Verdacht schöpfen, dass bei diesem Mord nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auf der anderen Seite steht die Öffentlichkeit, die durch eine show-ähnliche Sendung namens "Death of Justice" gezielt manipuliert wird, das Mädchen zum Tod auf dem elektrischen Stuhl zu verurteilen.

Der Schreibstil der Autorin wechselt immer wieder die Perspektive, denn mal wird aus der ersten, mal aus der dritten Person erzählt. Das führt dazu, dass sich die Blickwinkel immer wieder ändern. Am besten haben wir aber die Szenen bei der TV-Sendung gefallen, denn diese werden ähnlich einem Drehbuch erzählt. Die Dialoge der Moderatoren mit ihren Studiogästen werden nur durch Anweisungen und kurze Beschreibungen unterbrochen, damit bekommen diese Szenen fast den Charakter einer Live-Übertragung.

Gerade die Dialoge sind es auch, die meiner Meinung nach die ganz große Stärke dieses Buchs ausmachen. Denn gerade Martha stellt viele kluge Fragen, die es wert sind, dass man sich aus Leser Gedanken macht. Wie sieht es mit der Macht der Medien aus? Wie werden Menschen manipuliert? Warum hinterfragen so wenige dieses Rechtssystem? Denn dass auch dieses System Fehler hat, erschließt sich dem Leser schon ziemlich bald.

Dies ist meiner Meinung nach auch vielleicht das einzige, was man dieser Geschichte vielleicht negativ ankreiden kann. Denn ich hatte schon recht früh ein Gefühl dafür, was im Hintergrund abgelaufen ist. Da es allerdings ein Jugendbuch ist, denke ich nicht, dass man dies der Autorin wirklich zum Vorwurf machen kann.

Aber kommen wir zu den positiven Dingen zurück: Erfrischend anders ist auch die Liebesgeschichte, denn Martha hat bereits einen Freund zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte beginnt. In Rückblenden erfährt der Leser, wie es zum Kennenlernen kam und wer er ist. Wunderschön, aber auch traurig sind hier vor allem die Szenen im Gefängnis, wo sich Martha darüber Gedanken macht, ob sie ihn noch einmal sehen wird, noch einmal mit ihm reden wird, das trieb mir vor allem am Ende tatsächlich ein klein wenig die Tränen in die Augen ...

Der Schluss selbst rief ein paar zwiespältige Gefühle in mir hervor, denn einerseits ist die Geschichte abgeschlossen, andererseits auch wieder nicht. Als Cliffhanger würde ich das Ende nicht sehen, aber es bleiben einige Fragen offen. Ursprünglich war wohl gedacht, das Buch als Einzelroman zu veröffentlichen, in der Zwischenzeit ist aber eine Fortsetzung angekündigt worden.

Mein Fazit:


"Marthas Widerstand" ist für mich eine Dystopie, die sich wohltuend aus der Menge der übrigen Bücher in diesem Genre abhebt. Im Gegensatz zu vielen Autorinnen verlässt die Autorin die gewohnten Bahnen und schafft es gekonnt, eine spannende Geschichte zu erzählen UND viele Fragen zu stellen, die den Leser nachdenklich werden lassen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 447 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3732540327

9 Kommentare

  1. Hallo Ascari,
    das klingt wirklich nach einer Dystopie, die sich mal wieder von den vielen anderen etwas absetzen kann. Daher landet der Titel auch mal gleich auf die Merkliste.
    Danke für die Rezension!
    Liebe Grüße
    Ela

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  2. Huhu Ascari,

    na, das klingt doch mal nach einer Dystopie, die auch mir gefallen könnte. Ich habe generell so meine Probleme mit dem Genre, aber diese hier werde ich mir mal auf meinen Merkzettel schreiben :)

    Liebe Grüße
    Sas

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    1. Hoffe, es wird dir dann genauso gefallen wie mir :).

      Liebe Grüße
      Ascari

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  3. Hey Ascari,
    Das klingt wirklich interessant. Ich hab ewig keine Dystopie mehr gelesen (außer The Circle, aber das habe ich abgebrochen. Rant folgt :P) und Jugendbuch ist auch nicht mein ganz allergrößtes Lieblingsgenre. Aber mit deiner Rezension hast du es geschafft, mich neugierig zu machen. Und das Konzept mit der TV-Show zur Hinrichtung klingt gleichzeitig sehr makaber, aber auch spannend.
    Das Buch werde ich mir mal merken.
    Liebe Grüße, Julia

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    1. Du hast "The Circle" abgebrochen? Warum denn? Ich hab das Buch eigentlich gemocht, auch wenn es am Ende ein wenig ins Absurde abgedriftet ist ...

      Lies am besten mal irgendwo in "Marthas Widerstand" rein, dann merkst du eh recht schnell, ob du mal eine Ausnahme machen wilsst ;).

      Liebe Grüße
      Ascari

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    2. Ja, vielleicht lade ich mir am Besten mal die Leseprobe runter.
      Ach, The Circle. Ich habe diese langweilige Handlung und die platten Charaktere irgendwann einfach nicht mehr ertragen. Aber besonders hat mich die Protagonistin genervt. Aber wie gesagt, ausführlicher werde ich da demnächst auf meinem Blog drüber berichten...

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    3. Na, da bin ich dann schon gespannt, denn ich fand das Buch eigentlich aufgrund seines Themas unheimlich gruselig ... Dass Mae dich genervt hat, kann ich aber verstehen. Für meinen Geschmack war sie viel zu wenig kritisch.

      Liebe Grüße
      Ascari

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  4. Huhu!

    Ich habe eine Zeitlang ständig Dystopien gelesen, hatte aber auch irgendwann das Gefühl: Ok, jetzt wiederholt sich alles. Deswegen bin ich immer auf der Suche nach originellen Dystopien, und diese hier klingt richtig gut. :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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