Rezension Erin Watt - Paper Princess

An diesem Buch derzeit vorbeizukommen, fällt echt schwer. Kunststück bei dem Hype, der um die (Noch)Trilogie gemacht wird. Ein Grund mehr, in einer gemeinsamen #bbfliest Leserunde das Buch genauer unter die Lupe zu nehmen (Das Ergebnis könnt ihr übrigens hier auf Storify genauer nachlesen).

Zum Inhalt:


Die 17jährige Ella schlägt sich nach dem Tod ihrer Mutter allein durchs Leben durch. Um finanziell über die Runden zu kommen, strippt sie in einschlägigen Bars, ehe Callum Royal - bester Freund ihres verstorbenen Vaters - sie als ihr Vormund nicht ganz freiwillig zu sich holt.

In der noblen Villa lernst sie Callums fünf Söhne Gideon, Reed, Easton, Sebastian und Sawyer kennen. Obwohl sich das neue Leben für Ella nicht wirklich als Zuckerschlecken entpuppt, ist Ella fest entschlossen, die Zeit zu nutzen, um ihren Schulabschluss zu machen ...

Meine Meinung:


Schon als Paper Princess als Print-Ausgabe erschien, habe ich mal dank der Leseprobe online in das Buch reingelesen ... Und bereits der Anfang mit Ellas Leben als Stripperin bescherte mir ein  Aufwärmtraining für meinen Augenroll-Nerv. Gibt es wirklich nichts anderes, um als Minderjährige nach der Schule Geld zu verdienen, um Arztrechnungen oder die Miete zu bezahlen? Und so jagt ein merkwürdiges Detail das nächste, je weiter man sich in diese Geschichte vorantastet.

Am Ende habe ich aufgehört zu zählen, wie oft ich bestimmte Dinge einfach nicht verstanden habe. Ganz egal ob es um ihre natürlich supertoll und heiß aussehenden neuen Brüder, den Vater, die Freundin des Vaters oder ihre neuen Schulkollegen geht: Alle verhalten sich Ella gegenüber mies. Die Brüder, die Ella am liebsten gleich wieder loswerden wollen, der Vater, der Ella mit einer Entführung gleich am Anfang zu ihrem Glück zwingt, die Freundin des Vaters, die die Söhne vor Ella begrapscht, und die neuen Schulkollegen, die Ella am liebsten gar nicht an der Schule haben wollen - alle haben irgendwie einen an der Waffel.

Als Persiflage könnte das alles, gespickt mit jeder Menge Klischees, ja noch witzig sein, aber meiner Meinung nach versucht dieses Buch tatsächlich, sich ernstzunehmen. Und unter diesem Gesichtspunkt sind viele Dinge zu verurteilen, die in diesem Buch entweder angerissen oder verharmlosend beschrieben werden. Ich könnte hier jetzt viele Beispiele nennen, für mich persönlich am schlimmsten war allerdings [Spoiler]die versuchte Vergewaltigung von Ella mittels MDMA. Die einzige Konsequenz, die gezogen wird, ist ein Streich, den die Royals dem potenziellen Vergewaltiger spielen - weder werden die Erwachsenen verständigt noch die Polizei informiert[/Spoiler].

Da wir uns auf Twitter zu dem Buch ausgetauscht haben, kam auch heraus, dass die Übersetzung zum Teil einige sehr grobe Schnitzer enthielt. An einer Stelle fiel mir auch ein falscher Name auf. Der Stil generell ist eher leicht und locker, zum Teil im Deutschen in meinen Augen auch gewollt flapsig. Bestimmte Metaphern entlockten mir zum Teil sogar ein unfreiwilliges Grinsen, denn der Vergleich einer männlichen Eichel mit einer Kugel Eis - darauf muss man erst mal kommen.

Wer sich von diesem Buch außerdem eine Handlung erwartet, wird herbe enttäuscht werden. Im Grunde ist es eine Aneinanderreihung an Szenen, wo man sich fragt, wozu man das eigentlich erzählt bekommt. Abgesehen davon, dass ich mit der Zeit immer weniger nachvollziehen konnte, warum Ella auf Reed, den mit Abstand miesesten Typen der ganzen Familie, steht.

Ganz im Gegenteil: Je mehr von der Familie offengelegt wurde, desto mehr grauste es mir vor dieser Sippe. Jeder normal denkende Mensch würde sich hier früher oder später denken, dass es das ganze Geld nicht wert ist, das Callum gleich zu Beginn Ella anbietet.

Einziger Lichtblick war zumindest am Anfang Ella, da sie eigentlich nicht auf den Mund gefallen ist. Aber sobald es um Reed mit seinen köstlichen Schrägmuskeln und seiner goldbraunen Haut geht, reagiert sie wie ein schüchternes, fast verschrecktes Huhn, das nicht mehr klar denken kann. Und wieder einmal musste ich mich fragen, was ist das bloß für ein Frauenbild, wo es einzig und allein darum geht, dass Männer und Jungs Geld und gutes Aussehen haben und natürlich die Superstars im Bett sind?

Neben diesen Äußerlichkeiten wies das Buch auch einen bemerkenswert hohen Level an Gewaltbereitschaft auf. Weder Ella noch die Royal-Jungs sind zimperlich, wenn es darum geht jemand anderen zu schlagen. Dass danach nicht einmal darüber gesprochen wird, warum es dazu kam, empfand ich wirklich als schlimm. Gewalt ist kein Weg - in keiner Form. In diesem Buch ist es aber ganz normal, sich zu prügeln, um Probleme zu lösen.

Noch ein paar Worte zum Schluss: Er überraschte mich nur bis zu einem gewissen Maß, denn auch dieses Buch folgt den mehr oder weniger ungeschriebenen Regeln, die Shades of Grey mit seinem Handlungsaufbau aufgestellt hat. Wer die Bücher gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Mein Fazit:


Mir erschließt sich ehrlich gestanden überhaupt nicht, warum dieses Buch so viele positive Bewertungen bekommen hat. Viele moralisch und ethisch mehr als verurteilenswerte Dinge werden in diesem Buch verharmlost und nicht richtig gestellt. Man kann es daher drehen und wenden, wie man will, aber mir fällt tastsächlich niemand ein, dem ich dieses Buch empfehlen würde ...

Weitere Rezensionen:


Jürgen Albers
Monis Zeitreise
Laberladen.com
Kitsunes Welt der Bücher
I am Jane
Bücherverschlingen

Labels: , , , ,